Das Hamsterrad – und wie wir da rauskommen. (Teil 1/3)

Im vorletzten Beitrag habe ich mal eine typische „(obere-Mittelschicht-Wir-haben-es geschafft-)Normbiografie in D“ nachgezeichnet – und fürchte nicht besonders stark übertrieben zu haben…

Das Absurde an alledem ist, dass ein solches Leben die meisten von uns nicht wirklich zufrieden macht… Naja, wer fühlt sich schon in einem Hamsterrad wohl? Freiheit geht anders.

 

Also, werfen wir noch einen genaueren Blick auf das Hamsterrad – und auf die m.E. einzige Möglichkeit, ihm wirklich zu entkommen:

 

Teil 1/3: Unzufriedenheit durch Abhängigkeit (kompletter Beitrag auf einer Seite: hier)

 

1a Unzufriedenheit

Die Deutschen gaben 2015 1,3 Mrd EUR für Ratgeberbücher aus… dazu kommen dann noch x-Zeitschriften, die deutliche Ratgeberanteile haben – wie z.B. Psychologie Heute aber auch die vielen GEO/SPIEGEL/ZEIT/STERN- Sonderhefte, die sich mit der Frage nach einem ‚guten Leben‘ auseinandersetzen.

Es gibt also folglich einen ziemlichen Beratungs- oder gefühlten Veränderungsbedarf.

Dabei scheint Veränderung ein schwieriges Thema zu sein, denn angesichts der Berge von Neuerscheinungen gibt es das eine Erfolgs-/Zufriedenheitsrezept offensichtlich nicht. Und genauso augenscheinlich sind die Probleme nach der Lektüre in der Regel nicht einmal annähernd gelöst – denn sonst müsste der Bedarf an Beratungsliteratur logisch gesehen nach einiger Zeit weniger werden, wenn wir davon ausgehen, dass nicht jedes Jahr jeweils vollkommen andere Menschen diese Ratgeber kaufen.

Wenn wir gleichzeitig annehmen, dass zufriedene Menschen eher selten zu Beratungsliteratur greifen, dann bedeutet das, dass es mit persönlicher Zufriedenheit in weiten Teilen der Bevölkerung Deutschlands – immerhin einem der wohlhabendsten Länder der Welt – nicht weit her ist.

 

Der Blick auf die Zahlen zum Thema ‚Zufriedenheit mit dem Job/der Berufswahl‘ bestätigt diesen Befund:

Die konkreten Resultate der einzelnen Quellen weichen zum Teil erheblich voneinander ab, aber ein gemeinsames Bild ergibt sich dennoch: Sehr viele Menschen – definitiv mehr als 2/3 –  sind mit ihrer täglichen Arbeit und/oder ihrem Beruf äußerst unzufrieden. Für Viele bedeutet das, dass sie wochentags rund acht Stunden ihrer (Lebens-)Zeit in Dinge investieren, die sie nicht zufrieden machen… und dass sie weitere (Lebens-)Zeit pendelnd verbringen (vgl. OMG des Tages), um zu dem Ort zu fahren, der sie unzufrieden macht. Gleichwohl ziehen offensichtlich nur sehr wenige unzufriedene Menschen die Konsequenz und wechslen ihren Arbeitsplatz/Beruf (Groll in ZEIT 2017, s.u.).

 

Warum ist das so?

Warum sind so viele Menschen mit ihrem Beruf/ihrem Arbeitsplatz so unzufrieden… wir haben doch freie Berufswahl? Und selbstverständlich können wir abstellen, was uns unglücklich macht?

Also: Warum ändern viele Menschen nicht, was sie (heftig!) unzufrieden macht?

 

1b Unzufriedenheit durch Abhängigkeit

Eine Antwort lautet: Weil sie sich vom ‚Brotjob‘ abhängig fühlen. Wenn wir uns von etwas (z.B. finanziell) abhängig fühlen, dann sind wir Menschen recht empfindlich und tendenziell passiv (‚passive-aggressive‘).

Wenn es dann dort, wo wir uns abhängig (also: nicht selbstbestimmt) fühlen, nicht so läuft wie wir uns das vorstellen, sind wir schnell in der Bredouille, vermeintlich nicht viel ändern zu können und gewissermaßen ‚gefangen‘ in den Umständen zu sein:

Hinter dem so verdienten monatlichen Lohn stehen eben auch die Lebenspläne, in die wir – oftmals mit dem ersten ‚richtigen‘ Job – begonnen haben zu investieren: Haus, Kredite, Familie, Besitzstand jeglicher Art, teure Hobbys… (vgl. Beitrag „(obere-Mittelschicht-Wir-haben-es geschafft-)Normbiografie in D“)

 

Das bedeutet auch, dass der Job alleine deshalb unzufrieden machen kann: nicht weil er bescheuert ist, sondern weil er in Abhängigkeit ausgeführt wird, was grundsätzlich eine ungünstige psychologische Konstellation ist.

 

(Einmal kurz festzuhalten ist an dieser Stelle: Selbstverständlich gibt es zum Glück auch viele Menschen, die mit ihrem Job trotz der hier beschriebenen Abhängigkeit zufrieden sind und diese nicht oder nicht so stark empfinden. Aber um diese Menschen brauchen wir uns ja hier keinen Kopf zu machen.)

 

Und wenn wir unsere Ausgaben hochschrauben, weil es das Einkommen erlaubt, wächst auch die Abhängigkeit. Das alles macht uns unfrei – wir stecken

  • in dem Job-Hamsterrad, in welchem wir zu funktionieren haben – und gleichzeitig auch noch gewissermaßen
  • in einem zweiten Hamsterrad, in dem sich alles darum dreht, all die Dinge, die angeblich zu einem gelungenen gesellschaftlichen Dasein gehören, anzuschaffen und zu unterhalten (vgl. dazu den Beitrag „Die wahren Kosten von Besitz“ auf myMonk.de)

Und meist haben wir uns darüber hinaus – im Sinne des Sofort-haben-wollens – einige kleine und auch weniger kleine Posten wie 1000-Euro-Kaffeemaschinen, Autos oder vielleicht sogar eine Eigentumswohnung auf Kredit zugelegt, was das Hamsterdings endgültig zum rotieren bringt…

Womit wir bei der Frage angekommen sind: Was ist ein Kredit? Ich meine: genaugenommen?

 

Marc Pendzich.

 

… nächsten Freitag (9.2.) geht’s weiter… (Quellennachweise folgen, wenn Beitrag vollständig online)

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