Von Narrativen, dem Verursacherprinzip und einem Briefchen an die FDP

… und was das alles mit uns zu tun hat.

Wir neigen dazu, die Welt so zu nehmen wie sie ist…
… wie wir sie kennengelernt haben…
… wie uns die „Welt“ beigebracht wurde…
… wie also die sog. Narrative lauten, von denen wir alle durch Eltern, Freunde, Mitmenschen, Schule, Medien etc. pp. pp. pp. geprägt sind.

So steckt beispielsweise das Narrativ1 [Nr. 1] der ‚Vollbeschäftigung‘2 immer noch in unseren Köpfen – obwohl diese angesichts von vollautomatischen Wurstfabriken vollkommen illusorisch und für die Zukunft eher das Gegenteil anzunehmen ist, nämlich Wenigbeschäftigung und das bedingungslose Grundeinkommen (BGE)3.

 

Ein anderes Narrativ [Nr. 2] lautet, dass wir Privatbürger unseren Dreck wegräumen müssen, Unternehmer aber nicht.

  • Wenn ich in der Wohnung Saft verschütte, hole ich das Wischtuch.
  • Wenn ich den Spiegel eines fremden Autos abfahre, habe ich für den Schaden aufzukommen.
  • Wenn ich ein Ferienhaus miete, habe ich (persönlich/finanziell) für die Endreinigung zu sorgen, um das Haus wieder in den Zustand vor meiner Ankunft zu versetzen.
  • Wenn ich eines Tages sterbe, wird von meinem Geld die Beerdigung/die Ruhestätte finanziert werden.

 

Also: Wo genau liegt eigentlich der Unterschied zwischen

  • einer Privatfrau/einem Privatmann, die/der die Dinge so zu hinterlassen hat wie sie/er sie vorgefunden hat und
  • einem Unternehmen, dass etwas produziert und Waren verkauft und Geld generiert?

Mal im Ernst: Wieso hat (immer noch!) ein kohlegenerierender Kohlekraftwerkbetreiber die Möglichkeit ohne Gegenleistung/Kompensation CO2 und sonstigen Dreck auf Kosten von der Allgemeinheit/Gesellschaft/Bevölkerung in die Luft zu jagen? Wieso wird eine Airline nicht für die weltweite Luftverunreinigung zur Rechnung gebeten und bekommt sogar noch diverse Subeventionen hinterhergeschmissen? Wieso kann ein Atomkraftwerk betrieben werden, ohne für späteren Rückbau des Kraftwerkes sowie für die Endlagerung der Brennstäbe relevant aufzukommen und ohne selbige Kosten in den Strompreis hinein zu rechnen?

(Und wieso muss ich mir auf Partys auch im Jahre 2017 immer noch anhören, dass Atomstrom ja so günstig sei? Ok, vielleicht hänge ich auf den falschen Partys rum.)

 

Ich habe noch nie verstanden, worin in diesem Punkt der Unterschied zwischen Privatmensch und Unternehmen bestehen soll, im Gegenteil: Ein Unternehmer verbraucht&verschmutzt in einem größerem Maßstab als ich es je alleine könnte… In meinen Augen ist es absolut plausibel, dass im 21. Jahrhundert für ALLE ein ganz, ganz einfaches Recht gilt: Das Verursacherprinzip.

 

Mit einem solchen Standard unterbleiben und regeln sich ganz viele Dinge automatisch. Oder glaubst Du, dass heute auch nur noch ein Atomkraft-/Braunkohlekraftwerk am Netz wäre, würde das Verursacherprinzip gelten? Wäre es denkbar, dass in Stade bei Geltung dieses Rechtes jetzt noch, im Jahre 2017, ein neues Kohlekraftwerk gebaut wird während der Kohleausstieg im Prinzip beschlossene Sache ist?4

Warum gibt es kein Verursacherprinzip und keine wirkliche Gesamtkalkulation für Unternehmen? Warum war das so? Warum ist das so? Warum ist es immer noch so?

 

Das hat m.E. etwas mit zwei Grundannahmen zu tun, die m.E. beide falscher denn je sind – und wohl auch nie wirklich wahr gewesen sind:

1) „Gehts der Wirtschaft gut, ist das auch gut für den Bürger“5 (Sozusagen das unkaputtbare Bonmot der CDU nach dem Motto „je öfter wir das erzählen, umso mehr Menschen glauben es“.) [Narrativ 3]

2) „Die Ressourcen der Erde sind unerschöpflich“. [Narrativ 4]

 

Beide Ideen sind sehr alt und stammen

  • bezogen auf 1)
    aus einer Zeit des Hungers bzw. der Epoche der sog. Mangelwirtschaft in den Industriestaaten sowie des Wiederaufbaus nach dem Zweiten Weltkrieg mit dem sagenumworbenen Wirtschaftswunder – und
  • bezogen auf 2)
    aus einer Zeit, in der die Idee halbwegs plausibel war, weil weniger Ressourcen bezogen pro Mensch benötigt wurden und die Menschheit auch gerade mal – nehmen wir mal die Zeit um 1970 – halb so groß war wie heute. (Ist das nicht sowieso eine äußerst erschreckende Zahl: Seit meine Generation Anfang der 1970er geboren wurde, hat sich die Menschheit verdoppelt. Und alle diese Menschen wollen/müssen essen, auf Klo gehen, wohnen, mobil sein, heizen, reisen…)6

Es ist mehr als hohe Zeit beide Ideen auf dem Schrottplatz der Geschichte – und zwar gründlichst – zu entsorgen.

 

Damit einhergehend ist es ebenfalls an der Zeit, sich von der Idee eines lediglich zu optimierenden, aber grundsätzlich bereits existierenden „fairen Marktes“ zu verabschieden, liebe FDP.

Wann ist denn ein Markt ‚gerecht‘ oder ‚fair‘? (Beschränken wir uns hier auf Deutschland:) Wann funktioniert ein ‚freier Markt‘, so wie sich das sämtliche Wirtschaftspolitiker rechts der Grünen vorstellen?

Antwort: Er funktioniert, wenn Alle die gleichen Chancen haben, wirtschaftlich erfolgreich zu sein. Wenn es also keine Teil-Branchen vorbehaltene Steuer- und Standortvorteile/-schlupflöcher gibt und vor allem keine Subventionen das Bild verzerren. Ouih, und da, liebe FDP, geht Euch aber massiv die Puste aus!

 

Am Wahlabend kam Herr Lindner in der sog. Elefantenrunde auf die interessante Idee, dass FDP und die Grünen in Sachen Klimaschutz sehr viel gemeinsam hätten, mit der Einschränkung, dass Herr Lindner die Sache eben marktwirtschaftlich regeln möchte… [s. www.youtube.com/watch?v=yOddv7qtwCA&t=46%3A00 ]7 Dazu habe ich mir noch am gleichen Abend erlaubt, der FDP per fb ein kleines Memo zukommen lassen:

 

Sehr geehrter Herr Lindner, Sie sprachen heute davon, den Klimawandel i.Ggs. zu den Grünen mit den Mitteln der Marktwirtschaft bekämpfen zu wollen. Das finde ich prima! Sorgen Sie endlich dafür, dass die Dinge kosten, was sie wirklich kosten, sodass ein f a i r e r Wettbewerb entsteht. Weg mit den Subventionen für Kohle, Diesel und Kerosin. Her mit der CO2-Steuer, damit „Umwelt/Natur/Klima“ endlich in die Bilanz eingeht. Für all das ist kein einziges Verbot notwendig, sondern nur der Wille, endlich auch den Bürgern reinen Wein einzuschenken, dass die Zeit der Hybris nun vorbei ist (wenn wir denn auch morgen noch von diesem Planeten als wohnberechtigt angesehen werden wollen). Mit freundlichen Grüßen Marc Pendzich

 

Sehr geehrter Herr Pendzich,
vielen Dank für Ihre Unterstützung. (:-))
Beste Grüße
Kim Niemann
FDP-Bundesgeschäftsstelle

 

(:-))

 

Darüber hinaus ist es so, dass die Möglichkeit als Unternehmen das Klima ohne Kompensation zu beschädigen gewissermaßen ebenfalls eine Subvention ist, weil der Preis nicht korrekt ermittelt wird und mithin zu niedrig ausfällt.

Das alles gilt aller-aller-spätestens, seit es

  • Energie-Alternativen gibt, die eben kein CO2 in die Luft emittieren und
  • seit dem der Zusammenhang zwischen CO2 und menschengemachtem Klimawandel wissenschaftlich evident ist (ähem: In Wirklichkeit seit Jahrzehnten!).

 

Noch einmal anders gewendet: Kann es gerecht oder in Ordnung sein, dass ein börsennotiertes Unternehmen hohe Gewinne einfährt, Boni auszahlt, Aktionäre beglückt, Lobbyisten finanziert, aufgrund seiner globalen Vernetzung kaum Steuern bezahlt, möglicherweise sogar Subventionen einfährt und darüber hinaus ‚umsonst‘ global das Klima an die Wand fährt? Der Klimawandel und seine Folgen kostet den Steuerzahler Milliarden, aber die Gewinne fahren die Aktionäre, Unternehmen und Vorstandsvorsitzende ein? (vgl. n.n. (2017) Klimakosten in den USA in SPIEGEL, jährlich aktuell 350 Milliarden US-Dollar, s.u.)8

Wir brauchen derzeit m.E. nichts dringender als das ‚Verursacherprinzip‘ und eine CO2-Steuer. Dann ist sehr viel gewonnen – übrigens ganz ohne Verbote und erst recht ohne die konservativerseits so befürchtete, ja heraufbeschworene ‚Öko-Diktatur‘ (anderes Wort für ‚Rote Socken‘). [Narrativ 5]

 

Klartext: Die Okö-Diktatur kommt nicht, wenn wir jetzt aktiv werden und ein paar Gesetze einführen und den maßlosen Konsum auf ein menschliches Maß zurückfahren. Aber: Die Öko-Diktatur kommt, wenn unsere Demokratie aufgrund des Klimawandels und seiner Folgen destabilisiert wird! Und so mehr gilt: Aufschieben ist nicht. Wer konservativ eingestellt ist und Dinge bewahren möchte, z.B. die Grundlagen unseres gewohnten Lebens inkl. Rechtsstaat und Demokratie, muss jetzt handeln. Absurd, aber wahr: Man muss Dinge verändern, um das zu bewahren, was wirklich wichtig ist. … Leg das Handy weg.

 

Es ist eigentlich ganz charmant: Die FDP müsste nur richtig ernst machen mit der Predigt eines ‚funktionierenden Marktes‘ durch Abschaffung von direkten und verdeckten Subventionen – und schon hätten wir in Sachen Umwelt/Klimaschutz sehr viele Fortschritte erzielt. Regenerative Energien sind schon heute um Längen günstiger als Großtechnologie es jemals sein kann9. Abgesehen von den Anschaffungskosten fallen vom Prinzip her lediglich Wartungskosten an – da muss kein Brennstoff für abgebaut, aufbereitet, transportiert und entsorgt werden – und was meint Ihr, was da noch an Folgekosten für die ‚Reparatur‘ des Klima sowie der Zerstörungen durch Hurricanes, Wüstenbildung etc. pp. auf uns zu kommen? Es ist so simpel, dass es wehtut, dass es nicht schon längst passiert ist. Das liegt eigentlich nur an einem: Am Mammon und Lobbyismus derjenigen, die das alte Geschäftsmodell verteidigen. Ach ja, und an den Narrativen…

 

Hier diese verführerischen kleinen dreckigen Mythen nochmals zusammengefasst:

  • „Vollbeschäftigung“ (ähem, anderes Wort für: „blühende Landschaften“, siehe auch unter „Die Renten sind sicher“),
  • „Arbeitsplätze! Arbeitsplätze! Arbeitsplätze! – und darum kriechen wir Investitoren in den [zensiert]“: Meidung des Verusacherprinzips als angebliches Investititionshemmnis – zu schade, wenn unser Naturschutzgebiet zur ‚Opferzone‘ wird – und wir haben ja noch rund 1/4 der Insekten10, und wenn wir deren Vernichtung in 10 Jahren durch eine Langzeitstudie bewiesen haben, brauchen wir die Studie nicht mehr – ich schlage vor, dass wir sie gar nicht erst anfertigen, das spart Geld, das wir zur Erschaffung weiterer Opferzonen11 stecken können. Mist, ich werde zynisch. Also schnell weiter:
  • „Gehts der Wirtschaft gut, ist das auch gut für den Bürger“ (nur in soweit richtig, dass es der Wirtschaft bedarf. Aber vollkommen missverstanden, in seiner Bedeutung pervertiert und maßlos überdreht, wenn der Satz so gedeutet wird, dass man wirklich jeden Weg freimachen möchte für die Wirtschaft und sie mit so etwas unangenehmen wie Steuern, Gesetzen etc. in Ruhe lässt);
  • „Die Ressourcen der Erde sind unerschöpflich“ – OMG, wer hat sich diesen Schwachsinn nur ausgedacht? Und warum glauben das immer noch manche Menschen. Sie wollen es wohl glauben, weil dann unangenehme Fragen erspart bleiben. Nun, es gibt auch Menschen die die Darwinsche Lehre leugnen. Es gibt überhaupt eine Menge Dinge, die geleugnet werden, obwohl es jeder besser weiß. Auch die Leute selbst. Menschen sind: merkwürdig;
  • „Die Linken wollen eine Öko-Diktatur, die roten Socken!“ NEIN, die politischen Kräfte links der SPD wollen Veränderung, damit es nicht zu einer Öko-Diktatur kommt. Eine mögliche Flugbenzinsteuer o.ä. als Weg in Öko-Diktatur zu bezeichnen zeigt nur eines: Das die/derjenige NICHTS verstanden hat. Oder nichts verstehen will, weil er einen Eingriff in seine Komfortzone befürchtet.

 

So, Blutdruck wieder runterfahren…

Durchatmen. Und –

… was das alles mit uns zu tun hat?

Nun, irgendjemand muss mit Alledem anfangen – und das kann nicht Fidji sein, sondern das muss m.E. ein Land sein, dessen Strukturen, Reichtum, Einfluss, Innovationsmöglichkeiten und Wirtschaftskraft auch massive Verantwortung für diesen einzigen Planeten, den wir haben, mit sich bringt: Diese Beschreibung trifft nur auf ganz wenige Länder zu, und eines davon ist definitiv: Deutschland. Die Rede ist von mir, von dir, von uns.

(LebeLieberLangsam heißt ja nicht, die Füße hochzulegen und sich als Privatier in seine Gemächer zurückzuziehen.)

Politiker sind vom Volk gewählt. Mittels der kurzsichtigen Logik – man kann sie gar nicht oft genug erwähnen, diese Stammtischparole… Also, mittels dieser feisten kleinen Lüge

„Wenns der Wirtschaft gut geht,
gehts auch dem Wahlvolk gut –
Arbeitsplätze um jeden Preis.
Dann wählen sie mich wieder“

rechtfertigen sie, den Lobbyisten näher zu sein, als den Wählern. D.h. so lange die Lobbyisten lauter schreien als die Bürger, hören Politiker auf die Lobbys. Ergo braucht es eine kritische Masse, die das Couchpotatoe-Dasein hinter sich lässt – und die Komfortzone verlässt. Dann hören sie auf uns. Siehe Demonstrationen in Frankreich. Da geht das ganz anders ab.

… Leg das Handy weg.

Marc Pendzich.

 

PS: Der Philosoph Richard David Precht erwähnt im u.g. Interview „Die Zukunft der Arbeit“, dass gerade eine Art ‚technokratische Diktatur‘ im Werden ist: „Es entstehen digitale Supermächte, und denen kann völlig egal sein, wer unter ihnen in Deutschland Bundeskanzler ist oder amerikanischer Präsident“ – und wenn wir diesen Gedanken mit den massiv vorangetriebenen sog. Freihandelsabkommen kombinieren, deren Kerngedanken i.d.R. Schiedsgerichte sind, die quasi über nationale Gerichtsbarkeiten stehen (OMG!), dann wird die das Grünen-Bashing à la Öko-Diktatur endgültig absurd. Es geht um weit mehr. Und diese Gefahr kommt nicht von Links. Sondern aus der Wirtschaft. Gehts der Wirtschaft gut, freut sich der Mensch?


Weitere lebelieberlangsam-Artikel zum Thema:
Quellen:

1 Begriff „Narrativ“

Begriff „Narrativ (Sozialwissenschaften), ein sinnstiftendes Erzählmotiv, das in einem Kulturkreis oder einer gesellschaftlichen Gruppe Orientierung vermittelt.“ aus:

Narrative sind „Ideologien, verpackt in Erzählungen, siehe
Heine, Matthias (2016): „Hinz und Kunz schwafeln heutzutage vom ‚Narrativ'“ in: Die WELT, 13.11.2016

 

2 Thema „Vollbeschäftigung“:

Im Wahlkampf 2017 erzählte Angela Merkel mal wieder das Narrativ der Vollbeschäftigung:

Dazu möchte ich ein prominentes fb-Bonmot (von 2016) zitieren:

Andrea Nahles in ihrer Eigenschaft als Bundesministerin für Arbeit und Soziales auf einer Tagung des DGB: „Wir haben 500.000 neue Jobs geschaffen!!!!“

Kommentar Pizzabote: „Ich weiß, ich hab 3 davon!!!“

 

 3 Thema „Bedingungsloses Grundeinkommen (BGE)“

Wozu warten? Diese Plattform experimentiert schon damit:
Richard David Precht im Gespräch mit Karin Fischer: „Die Zukunft der Arbeit. Wir dekorieren auf der Titanic die Liegestühle um“. in: Deutschlandfunk, 1.5.2017.

 

4 Thema „Kohlekraftwerkbau in Stade Anno 2017“

„Gericht räumt Weg für [Kohle-]Kraftwerk Stade frei“ in: Klimaretter.info vom 30.9.2017.

 

 5 Mythos „Wenn es der Wirtschaft gut geht geht es uns allen gut.“
Dazu einige Anmerkungen von ‚Sikkimoto‘ vom Blog aus Der Freitag, 11.3.2014:

 

6 Thema „Entwicklung der Weltbevölkerung“

Auf der Website der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung (DWS) kann man sich ’seine Nummer‘ abholen: Ich bin nach dieser Statistik der 3.795.207.395 (also knapp der 3,8 milliardste) Mensch auf diesem Planeten. In diesem Moment, am 16.11.2017, 10:30 Uhr MEZ sind es statistisch gesehen 7,581.609.750 Menschen. Macht ohne großen Rundungsfehler das Doppelte (Wert A:B = 1,99768). Witzig und merkwürdig: Wir 1971er liegen aktuell sozusagen genau auf der Hälfte… Boah, macht Euch das klar: Seit wir geboren wurden, hat sich die Menschheit verdoppelt. Und das war schon die Verdopplung der Zahl an Menschen, die es gab, als mein Opa (*1924) geboren wurde. Macht eine Vervierfachung innerhalb weniger als einem Jahrhundert.
Wer es ganz genau wissen möchte:

Entwicklung der Weltbevölkerungszahl von Christi Geburt bis zum Jahr 2017

 

7 Thema „Subventionen, Klimawandel und Bundespolitik“

(zu dem ‚Briefchen an die FDP‘)

Katrin Göring-Eckardt (Grüne) und Christian Lindner (FDP) in der Elefantenrunde am 24.9.2017 im Gespräch über Trennendes und Gemeinsames im Zusammenhang mit dem Klimawandel:

 

8 Zum Thema ‚Wie Lobbyismus zur Wahrung der gewinne jegliche Aktivitäten zum Schutz des Klimas sabotiert – und die Tatsache, dass die Kosten des Klimawandels eben nicht die Unternehmen sondern die Gesellschaft trägt‘:

  • Klein, Naomi (2015): Kapitalismus vs. Klima. Die Entscheidung. S. Fischer.
    (s.a. lebelieberlangsam: 3 Bücher 4 u„)
    (Der Originaltitel ist besser gewählt: „This Changes Everything: Capitalism vs. The Climate“)
sowie:
siehe auch: Klimawandelkosten in den USA

n.n. (2017): „Klimabilanz des US-Rechnungshofs: Extremwetter kostet USA 350 Milliarden [jährlich] – und das ist erst der Anfang“. in: SPIEGEL ONLINE, 24.10.2017, basiert auf asa/AP.

 

9 Thema „Regenerative Energien sind schon heute um Längen günstiger als Großtechnologie jemals sein kann.“

siehe

„Greenpeace-Studie: Erneuerbare Energien schon heute in der Hälfte der G20 günstiger als Kohle und Atom Windkraft und Solar bis spätestens 2030 in allen 20 Staaten billigste Stromquelle.“ im Presseportal.de vom 5.7.2017

Der o.g. Satz gilt umso mehr unter Einbezug der Folgekosten von konventionellen Kraftwerken und ihrer Emissionen.

 

10 Thema „Insektensterben (‚Insektozid‘)“

  • Ulrich, Bernd. „Die Wahrheit auf sechs Beinen“. in: DIE ZEIT, 26.10.2017, S. 3

Widerliche Zyniker am Werk:

„Der Deutsche Bauernverband pocht auf weitere Untersuchungen.“

n.n. (21017): „Langzeitstudie Zahl der Insekten in Deutschland sinkt deutlich“. in: SPIEGEL ONLINE (baisert auf jme/dpa)

 

11 Thema „Opferzone“ (- nein, damit ist keine Ecke im Schulhof gemeint)

Ein Begriff, den u.a. Naomi Klein für Gebiete/Terretorien verwendet, die unwiderruflich z.B. für den Rohstoffabbau geopfert werden, z.B. Braunkohleabbau in Garzweiler oder die Teersandabbaugebiete in Alberta, Kanada. Diese hat es natürlich zurzeit der Industrialisierung immer gegeben, aber sie werden immer zahlreicher und größer. Letztlich wird in dieser Logik die gesamte Erde zur Opferzone, weil ja auch die Folgen des Rohstoffabbaus nicht nur die Abbauzone, sondern via Umweltverschutzung und Klimawandelfolgen auch auch die Städte/Menschen betreffen. vgl.

  • Klein, Naomi (2015): Kapitalismus vs. Klima. Die Entscheidung. S. Fischer.
    (s.a. lebelieberlangsam: 3 Bücher 4 u„)
    (Der Originaltitel ist besser gewählt: „This Changes Everything: Capitalism vs. The Climate“)

sowie die dazu entstandene Film-Dokumentation

  • „This Changes Everything“ von Avi Lewis ab Minute 4:27 (Kapitel 2)

Garzweiler ist schlimm? Ja. Aber verglichen mit den Teersandabbaugebieten in Alberta, Kanada ist Garzweiler ein winziges Loch in der Erde… Das Ding bei Fort McMurray gilt als die größte Abbaustelle der Welt:

Hier ein Zwei-Minuten-Eindruck via Youtube-Video „Tar Sands in Alberta“:

Der Wahnsinn hat einen Namen: Tar Sands Alberta. Auch auf Google Earth wird dieser Wahnsinn sichtbar, gebt dazu die Stichwörter „Oil Sands, Fort McMurray, Alberta, Kanada“ ein – und klickt ein wenig nordwärts… und behaltet den Maßstab im Blick. Das Gebiet gehört vertraglich (mehrheitlich) den First Nations (so nennt dort man heutzutage politisch korrekt ‚Indianer‘) – aber das wird vor Gerichten ausgefochten derweil Fakten geschaffen werden. Also: Kanada, das Land der Wälder und Indian Summer? Hm, da in Alberta standen bis vor wenigen Jahren Bäume, so weit das Auge reichte.

Zum Rechtsstreit der First Nations vs. Canada/Alberta:

Lameman, Crystal (2015): „Life above the Alberta tar sands – why we’re taking the government to court“. in The Guardian, 8.4.2015.

Ich habe mich gefragt, wie groß ist eigentlich dieses Abbaugebiet in Alberta? Die theoretische Abbaufläche ist größer als England. Faktisch wird auf einer Fläche von 4800 km2 Tagebau betrieben. Was sind 4800 km2? Nun, das entspricht der Fläche von Berlin, Hamburg, Köln, Dresden, Bremen, München, Münster, Leipzig, Dortmund, Erfurt, Bielefeld und Frankfurt a.M. – also von zwölf deutschen großen Städten zusammengenommen. Mir wird schlecht.

(Zahlen entnommen aus: 4800 km2 entstammt https://de.wikipedia.org/wiki/%C3%96lsand , die Flächen der deutschen Städte stammen aus https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_100_fl%C3%A4chengr%C3%B6%C3%9Ften_St%C3%A4dte_und_Gemeinden_Deutschlands ) (Abrufdatum 17.11.2017)

Ok, ich setze noch einen oben drauf: Der größte Staudamm der Welt (‚Syncrude tailings pond‘, Kriterium ‚Größe des Dammvolumens‘) dient nicht etwa der Rückhaltung von Wasser…, nein, er steht in Alberta und dient der hochtoxischen Brühe, dies entsteht, wenn man Teersande/Ölsande von ‚überflüssigem“ Sand/Gestein befreit.

 

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