Album „ZERO – Back2Life“ oder: Krise als Chance

Das Cover zu pndzchs Album ZERO - Back2Life (Marc Pendzich)pndzch: ZERO – Back2Life, VÖ: 13. Oktober 2017
(Stream | Download | CD)

 

Irgendwann ist sind wir dann bei: ZERO. Nichts geht mehr.

Die einfachsten Dinge überfordern uns, Gelassenheit ist ein Fremdwort, das Nervengerüst dauerangespannt.

Wir süchteln, schlafen schlecht, uns fehlt der Abstand und somit auch die Übersicht. Wir identifizieren uns über Leistung und Beruf.

Wir strampeln trotz Erschöpfung noch mehr und kommen dabei nicht vom Fleck, „nein“ ist ein Fremdwort, der Kopf arbeitet sich an den immer gleichen Argumenten ab.

Und selbst Dinge, die eigentlich zur „Kür“ gehören und nicht zur „Pflicht“ wie z.B. Freunde treffen – werden anstrengend und wir würden am liebsten absagen (vgl. Marquardt 2012, 93ff).

So oder so ähnlich ging es auch mir vor einigen Jahren, als Ist und Soll, d.h. die (Arbeits-)Realität und Lebensentwurf zunehmend auseinanderklafften. Als der Beruf und Bedürfnisse derart kollidierten reifte in mir schließlich die Erkenntnis, dass es so nicht mehr weitergehen kann.

Das Musikalbum „ZERO – Back2Life“ ist meine kreative Bewältigung des Burnout vor einigen Jahren.

ZERO markiert für mich den Übergang vom „Musik Bindestrich“-Berufsleben (Musik-Wissenschaftler-Autor-Komponist-Dozent-Journalist-Berater-Gutachter) zur Entscheidung, mich künftig auf das zu konzentrieren, was mich wirklich seit jeher antreibt: die Komposition.

Den Lebensabschnitt „Burnout“ habe ich dabei nicht ausschließlich negativ erlebt (das mag für jeden anders sein), sondern auch als eine intensive und auf verschlungene Weise letztlich sogar lebensbejahende Zeit. Immerhin gestand ich mir endlich zu, eine Auszeit zu benötigen, Dinge loszulassen und sie zu verändern. Allein diese Zugeständnisse führten mich zu mir selbst zurück. Daher sehe ich den Schwerpunkt des Albums letztlich weniger auf ZERO als auf Back2Life.

 

Das soundtrackartige Album wird eingerahmt durch eine sich öffnende/schließende Tür, das Zu- und Loslassen symbolisierend, beginnend also mit dem Eingeständnis, dass es so nicht weitergeht. Es folgt eine wahre Achterbahn der Gefühle – und das weitgehend instrumentale Album lädt mit seinen mannigfachen internen Vernüpfungen und Referenzen zur Erforschung ein.

Nur ein Beispiel: „Tout Va Bien“ (=Verleugnung des Ist-Zustandes) und „Das gelöste Problem“ (zynisch gemeint!) haben das gleiche musikalische Ausgangsmaterial, sind aber auf der „Emotionspalette“ an den verschiedenen Extrempolen verortet. „Burnout“ generell mag ein negativ besetztes Thema sein – aber die Freiheit und das persönliche Neuland, die ich danach erreicht habe, sind unglaublich positiv. Und ich denke: Das hört man.

ZERO – Back2Life ist für mich intensive Lebensbejahung und Zeugnis einer neuen kreativen Freiheit, eine Zeit des Ausprobierens und auch des persönlichen Anarchismus. Ich wäre heute nicht der, der ich bin – ohne vorherige Lebenskrise und deren Bewältigung. Wie so viele andere Menschen auch brauchte auch ich offensichtlich die Krise, um voranzukommen. Sie hat Veränderung bewirkt, sie gibt mir die Freiheit, wirklich mein Ding zu machen, mein Leben zu leben, meine Musik authentisch (sorry, ohne jegliche ‚Kundenorientierung‘) zu komponieren, nicht zu viel über Andere nachzudenken, das Leben ohne Beiwerk als wertvoll zu schätzen, lieberlangsam zu leben und diesen Blog zu schreiben.

Es war sicher keine einfache Zeit, aber sie ist zugleich äußerst hilfreich gewesen – und auch wenn eine Wiederholung nicht erstrebenswert ist: Ich möchte diese Zeit in meinem Leben nicht missen. Und ohne diese Zeit würde es dieses Album nicht geben – und es gehört zu mir. Und ich bin mächtig stolz: auf dieses Album.

pndzch.

 


‚ZERO – Back2Life‘ ist auf allen gängigen Stream- und Downloadplattformen erhältlich sowie als CD im gutsortierten Fachhandel sowie z.B. bei Amazon.de und natürlich bei bandcamp.com

s.a. www.pendzich.com

 

Zur Diskrepanz von „Soll“ und „Ist“ siehe auch lebelieberlangsam-Beitrag „Die Soll/Ist-Diskrepanz“

 

Quelle:
Beschreibung der Burnout-Symptome folgt

Marquadt, Matthias (2012):  instinkformel – das Erfolgsprogramm, das Sie wirklich glücklich macht.  Südwest.
(reißerischer Titel, aber m.E. sehr guter Inhalt. Hm, besser als andersherum.)

 

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