Kommen wir zur: Unbequemen Wahrheit.

In diesen Stunden trifft der heftigste Hurricane aller Zeiten (Stand: 9/2017) auf die Küste der USA – und ebenfalls heute habe ich den neuen Film von Al Gore gesehen. Sehr fundiert und sehenswert, allerdings auch recht „amerikanisch“ 1.

Ich selbst beschäftige mich bereits lange und intensiv mit diesem Thema, aber eines ist mir heute bei „Immer noch eine unbequeme Wahrheit“ klarer denn je geworden:

Ich glaube, dass die meisten Menschen in den Industrienationen noch nicht einmal annähernd verstanden haben, worauf wir uns da gerade einlassen.

To Whom It May Concern:

Also, das wird verdammt ungemütlich. Und an Alle, die meinen, dass es die Dritte Welt bzw. die Südhalbkugel schneller und härter treffen wird: Kann angehen.

  • Aber selbst wenn Ihr künftig mit mehr und mehr und immer verheerenderen Nachrichten mit Opferzahlen, die Ihr mutmaßlich bisher nur in Zusammenhang mit Weltkriegen und Tsunamis gehört habt, psychisch klarkommen solltet – und
  • selbst wenn Ihr zu recht glauben solltet, dass Ihr geographisch gesehen „Glück“ habt (?) und Euer eigenes Leben wahrscheinlich erstmal nicht unmittelbar gefährdet ist – glaubt Ihr wirklich, dass für Euch die Sache glimpflich ausgeht?

Immerhin werden ein Großteil Eurer Konsumwaren in der Dritten Welt/auf der Südhalbkugel produziert und zwar unter den Gegebenheiten eines total vernetzten globalen Wirtschafts- und Geldsystems.

Glaubt Ihr, das funktioniert alles noch, wenn die skizzierte Situation eintritt?

 

Denkt Ihr, dass Eure Sturm- und Klimaschäden noch versicherungsfähig sind oder gar bezahlt werden, wenns hart auf hart kommt?

Aber die Renten, die sind sicher? (Eure Zusatzrenten sind in weltweite Fonds investiert.)

 

Was wird wohl aus den Arbeitsplätzen, die Ihr durch Nicht-Handeln bewahren wollt und die nur existieren, weil Deutschland „Exportweltmeister“ ist?

Oder glaubt Ihr, dass der ganze Mist erst nach Eurem sanften Entschlummern mit 87 eintreten wird?

Bad News: Die Klimaforscher sind immer wieder aufs Neue überrascht, dass ihre Szenarien und Prognosen in der Regel deutlich übertroffen werden oder früher eintreten als angenommen. (Beispiel: Die „drei“ Pole: Arktis, Antarktis, Himalaya schmelzen viel, viel schneller ab als gedacht.)

 

Und Eure Kinder und Kindeskinder, was ist mit denen?2

„Sorry, liebe Nachgeborenen, dass wir mehrfach im Jahr in den Urlaub fliegen, SUV fahren, per Kreuzschiff urlauben, jährlich neue Smartphones „holen“, uns täglich Fleisch reinziehen und Erdbeeren im Winter essen etc pp.. Weil es der Nachbar auch macht und wir selbstverständlich nicht einsehen voranzugehen und verzichten. Man muss ja zumindest mithalten mit den Freunden. Menschliches Maß? Ob ich nun mit dem SUV Brötchen hole oder nicht, ist doch völlig egal! Was kann der Einzelne schon ausrichten? Wir können gar nichts dafür – die „da oben“, die Politiker müssten das regeln. Aber „die“ sehen ja offensichtlich keinen Handlungsbedarf – dann kann es doch auch so schlimm nicht sein. Und wenn Deutschland auf Öko macht und die anderen Länder nicht, gehen ARBEITSPLÄTZE verloren.
Außerdem haben die Leute, die mit fossilen Brennstoffen Milliarden verdienen uns gesagt und das sogar auch mit eigenen Studien belegt, dass der Klimawandel ist eine Lüge von bösen Kapitalismus-Gegnern ist – und warum sollten wir vertrauenswürdigen altruistischen Milliardären, die mit unseren Politikern essen gehen, misstrauen?“

Ok, reicht.

Falls Du Dich jetzt fragst, was das mit einem LebeLieberLangsam-Blog zu tun haben könnte: Nun, ein durchaus wichtiger Teil der Lösung der Klimakrise lautet: LebeLieberLangsam.

Marc Pendzich.

 


Weitere LLL-Beiträg zum Thema, siehe:

 

Was kann ich tun?
Ok, Du hast gefragt – meine Antwort: Viel mehr als Du glaubst:

http://www.wwf.de/aktiv-werden/tipps-fuer-den-alltag/ (Abrufdatum 24.2.2018)

 

So ziemlich die besten beiden Artikel, die ich 2017 lesen durfte:

Sibylle Berg über die Wahrheiten, die uns kein Politiker um die Ohren haut:

Schlussbrief dieses Beitrages wurde inspiriert von einem der besten Artikel dieses Jahres:

 


Nachtrag 11.4.2018

Die Klimakatastrophe wird oft mit dem Wort „Weltuntergang“ assoziiert – und da machen viele Menschen mental die Schotten dicht und verweigern sich den Tatsachen.

In der Tat, der obige Beitrag zeichnet kein positives Bild der Lage – wie sollte er auch?

Aber, was er nicht zeichnet, ist ein veritabler Weltuntergang – die Apokalypse sieht ganz anders aus. Ich denke, wir müssen zwischen einem „relativem Weltuntergang“ und „absolutem Weltuntergang“ unterscheiden. Letztes meint die Apokalypse. Ersteres meint hingegen den „Abschied vom Leben, wie unsere Generation es kennt“. Und dieser Abschied zeichnet sich in der Tat und überdeutlich am Horizont ab.

Aber der „relative Weltuntergang“ beinhaltet auch Chancen:

Denn das System der globalen Übernutzung von Ressourcen, der Kapitalverteilung mit dem überdrehten Kapitalismus schadet nicht nur

  • uns als Arbeitnehmer in beschissenen ausbeuterischen Jobs und erst Recht
  • den Menschen der Dritten Welt, die den wahren Preis für unseren Überflusskonsumismus bezahlen,

sondern auch unserer Gesundheit und die unserer Kindeskinder.

Hinter den Stichwörtern „Klimagerechtigkeit“ und „Gemeinwohlökonomie“ verbergen sich Möglichkeiten, diese Welt nachhaltig auf ein – für die gesamte Menschheit – besseres Gleis zu bringen – und diese Möglichkeiten kommen m.E. nur zum Tragen, weil die Natur der Menschheit erstmals in der Menschheitsgschichte die Pistole auf die Brust setzt.

Sein statt Haben.

Marc Pendzich.

 

 

s.a.

Wille, Joachim (2018): „Neue Aufklärung statt Ökodiktatur“.  [Interview mit Ernst Ulrich von Weizsäcker, Co-Vorsitzender des Club of Rome]. in: Klimaretter.info vom 7.4.2018

 

Zu empfehlen, weil es sachlich und fundiert dei Lage auf den Punkt bringt und zeigt, was schon alles pro Klima im Gange ist:

Weizsäcker, Ernst Ulrich von/Wijkman, Anders u.a. (2017): Wir sind dran. Was wir ändern müssen, wenn wir bleiben wollen. Eine neue Aufklärung für eine volle Welt. Club of Rome: Der große Bericht. Gütersloh: Güterloher Verlagshaus.

 


Quellen:

1 Thema „Al Gore und das aktuelle Film-Update zu „Eine unbequeme Wahrheit“

Mit „amerikanisch“ meine ich, dass der Film sehr auf Al Gore als Identifikationsfigur zugeschnitten ist. Interessant ist außerdem, dass Al Gore die Klimakatastrophe einerseits sehr fundiert und anschaulich erklärt, andererseits aber kaum auf weitere unbequeme Wahrheiten eingeht. Seine Botschaft lautet: „Weg vom CO2, wir brauchen eine Energiewende – und dann wird alles gut“. Selbst Al Gore, der sich so sehr in die Nesseln setzt, geht anscheinend davon aus, dem amerikanischen Volk nicht zuzumuten zu können, im Film näher darauf einzugehen, dass der Konsumismus – also ein Herzstück des American Way of Life – so nicht durchhaltbar ist. Auch eine Erkenntnis.

Seit September 2017 im Kino:

M.E. ist jedoch besonders die Filmdoku des UN-Friedensbotschafters Leonardo DiCaprio, der die Schlussrede auf der UN-Klimakonferenz in Paris 2015 (COP 21) gehalten hat, empfehlenswert:

    • DiCaprio, Leondardo/Stevens, Fisher (2016): Before The Flood. DVD-Doku.

 

2 Thema „Was sollen unsere Enkel über uns denken?“

Schlussbrief dieses Beitrages wurde inspiriert von einem der besten Artikel dieses Jahres:

Advertisements