Die Ist-und-Soll-Diskrepanz

Größer könnte die Diskrepanz nicht sein:

  • Die überwiegende Mehrheit der Menschen der westlichen Industrienationen strebt immer SchnellerHöherWeiter nach Mehr: Wohlstand, Reisen, Besitz, Konsum, Autos, Erlebnissen etc. pp.. Arbeiten pausenlos an der Optimierung des eigenen „Marktwertes“ bzw. ihres Lebens – in allen Aspekten, darunter Karriere, Geld, Partnerschaft, Persönlichkeit, Körper…
  • Sämtliche Philosophen, Psychologen, Mediziner, Esoteriker sowie oftmals Amtsträger von Religionen hingegen sehen den Pfad zu einem gelingenden Leben im exakten Gegenteil: Weniger ist Mehr. Selbstreflektion, Entschleunigung, soziale Kontakte pflegen, Achtsamkeit…

Den meisten von uns ist dieser Widerspruch wohlvertraut: Wir wissen um die Bedeutung des zweiten Gedankengebäudes, leben aber faktisch Ersteres.

Willkommen beim Grundkonflikt des „modernen Menschen“ westlicher Prägung, beim Grundkonflikt des Ist/Soll-Zustandes. Er kommt gern diskret an die Oberfläche in Form von Konjunktiven à la „Ich müsste mal…“ und guten Vorsätzen…

Nun, die tonnenweise jährlich auf den Buchmarkt geworfenen Ratgeber zu den immer gleichen Themen rund ums „gute Leben“ deuten mehr als dezent an, dass hier offensichtlich manigfach unerfüllte Bedürfnisse und Sehnsüchte existieren.

Auch verraten etliche, seit einigen Jahren beeindruckend auflagenstarke Zeitschriften wie Flow, Landlust, Walden, Happinez sowie die Geo-/Spiegel-/Psychologie Heute-Sonderhefte zum variierten Themenkomplex: „Gelassenheit, Entschleunigung, glückliches Leben“, dass offensichtlich viele der emsigen Karrieregestalter so happy und so überzeugt von ihrem Weg gar nicht sind.

Ebenfalls in die gleiche Richtung zielen so ziemlich sämtliche Feel-Good-Hollywoodfilme, die allesamt auf folgenden Plot runterzubrechen sind: Ein beruflich überaus erfolgreicher Mensch hat aufgrund  widriger Umstände sein bisheriges Leben auf den Prüfstand zu stellen. Schließlich erweist sich die Krise als Segen, weil sie den Protagonisten nach einigem Hin und Her die wirklich wichtigen Dinge des Lebens: Liebe, Freundschaft und sich selbst entdecken lässt.

Diese Diskrepanz zwischen Außen und Innen und der damit verbundene kollektive Eskapismus (=Auszeit Richtung Sehnsuchtsort) wirft folgende Fragen auf:

Nehmen wir an, die Philosophen, Psychologen, Mediziner, Esoteriker sowie oftmals Amtsträger von Religionen, die Autoren von Ratgebern, die Journalisten den Flow&Co, die Hollywood-Drehbuchautoren und (bei vielen von uns) unsere innere Stimme haben recht:

Warum lebt kaum jemand danach?

Wir tun doch alle so individuell?

Wir sind doch freier in unserer Lebensgestaltung denn je?

Was hindert uns daran?

 

fin. vorläufig.
pndzch

 


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